Der Basaltsteinbruch von Weitendorf, Steiermark, Austria
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N 46° 53.622 E 015° 26.715
33T E 533917 N 5193447
Quick Description: Der Basaltsteinbruch von Weitendorf, Steiermark, Austria
Location: Steiermark, Austria
Date Posted: 2/5/2012 7:05:27 AM
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Long Description:
[DE]

Der Basaltsteinbruch von Weitendorf - ein Blick auf das steirische Becken vor 15 Millionen Jahren


Vor etwa 18 Millionen Jahren begann sich der Raum der heutigen Südsteiermark (das sog. „Steirische Becken“) im Zuge tektonischer Prozesse zu senken. Diese Vorgänge standen in direktem Zusammenhang mit der Kollision von Europäischer und Afrikanischer Kontinentalplatte und damit mit der Bildung der Alpen.

Vor etwa 16 Millionen Jahren drang mit fortschreitender Absenkung das Meer aus Südosten in weite Bereiche des Steirischen Beckens vor und reichte zur Zeit seiner größten Ausdehnung bis an den Saum der Koralm heran. Damit war die Südsteiermark zur Randbucht eines Meeres (der sog. „Paratethys“) geworden, das im Südwesten über das Mittelmeer mit dem Atlantik zusammenhing, zeitweise aber auch über eine Meeresverbindung zum Indischen Ozean verfügte. Fossile Reste tropischer Organismen, deren nächste Verwandte heute im Roten Meer auftreten, beweisen die Existenz dieser Meeresverbindungen.

Von den geographischen Verhältnissen innerhalb des Steirischen Beckens vor 15 bis 16 Millionen Jahren lässt sich auf Grund der hier zur Ablagerung gelangten Gesteine und der darin eingeschlossenen Fossilien ein recht genaues Bild zeichnen: Wir sehen das Steirische Becken als nach Südosten offene Bucht mit aktivem Vulkanismus vor allem im Raum Gleichenberg, aber auch im Gebiet um Weitendorf. Von Graz nach Süden erstreckte sich über den Wildoner Buchkogel und den Sausal bis zum Remschnigg eine Kette von Untiefen und Inseln (die sog. „Mittelsteirische Schwelle“), die einer seichten Bucht im Bereich von Weitendorf, Groß St. Florian, Pöls und Preding vorgelagert war und diese vom offenen Meer abschirmte. Während sich im klaren Wasser um die Mittelsteirische Schwelle Korallenriffe und durch kalkabscheidende Rotalgen gebildete riffähnliche Strukturen bildeten, war die westlich daran anschließende lagunenähnliche Bucht Lebensraum vor allem für Muscheln und Schnecken, aber auch für Krabben und Seeigel.


Der Steinbruch zu Weitendorf

Einen einzigartigen Einblick in diesen Lebensraum ermöglicht der Basaltsteinbruch in Weitendorf. Durch Tieferlegen der Steinbruchsohle wurden in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals den Basalt unterlagernde dunkelgraue Tonmergel angefahren, die in einer etwa einen Meter mächtigen Lage konzentriert eine reiche Fauna mit Muscheln, Schnecken und anderen Meeresorganismen lieferten. Insgesamt konnten über 100 Arten nachgewiesen werden. Auffallend ist das Vorherrschen eine Turmschneckenart ("Turritella badensis"), die in einem bis zu 50 Zentimeter mächtigen Horizont geradezu gesteinsbildend auftritt.


Gesteinsbildende Turmschnecken ("Turritella badensis")

Die fossile Fauna von Weitendorf lässt eine biostratigraphische Einstufung ins Mittelmiozän zu, was einem Alter von etwa 16 bis 14 Millionen Jahren entspricht. Neben Arten, die in Österreich auch von anderen Fossilfundpunkten in gleichaltrigen Gesteinen bekannt wurden, treten in Weitendorf zwei Schnecken-Arten auf, die in Österreich bisher nur von hier und einem weiteren Fundpunkt in der Nähe (Wetzelsdorf in der Weststeiermark) nachgewiesen werden konnten. Dabei handelt es sich zum einen um die Langschnabelschnecke, zum anderen um die Flügelschnecke. Weiters konnte auf Grund eines Zahnfundes auch der Nachweis des Riesenzahnhais erbracht werden.


Langschnabelschnecke, gefunden im Steinbruch

Sucht man in den heutigen Meeren nach vergleichbaren Arten zu den fossilen Muscheln und Schnecken von Weitendorf, fällt auf, dass deren nächste Verwandte heute hauptsächlich den Bereich des Roten Meeres und Indischen Ozeans bewohnen. Die Verbindungen zu Mittelmeer und Atlantik sind wesentlich schwächer ausgeprägt. Dieses Naheverhältnis zwischen der Weitendorfer Fauna zu heute im Roten Meer und Indischen Ozean lebenden Arten lässt folgende Schlüsse zu: Erstens können wir für jenes Meer, das vor 16 bis 15 Millionen Jahren große Teile der Südsteiermark bedeckte, klimatische Verhältnisse annehmen, die denen des heutigen Roten Meeres stark ähnelten, und zweitens muss es eine direkte Meeresverbindung zwischen diesen beiden Bereichen gegeben haben.

Im Raum der heutigen Gemeinde Weitendorf wurde die Idylle dieses tropischen Flachmeeres vor etwa 15 bis 14,5 Millionen Jahren empfindlich gestört. Durch Erdbeben und am Meeresboden austretende heiße Quellen angekündigt, drang glutflüssiges Magma entlang von Rissen und Spalten aus dem Erdinneren und bedeckte den Meeresboden in der Umgebung von Weitendorf auf einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern. Förderspalten dürften sich einerseits im Bereich des Steinbruches von Weitendorf, andererseits im Umfeld der Gemeinde Wundschuh befunden haben.

Die chemische Zusammensetzung des bei Weitendorf an die Erdoberfläche gelangten Magmas ist ursächlich verantwortlich für die äußere Form des Weitendorfer Vulkans: Während zähes, gasreiches Magma kegelförmige Vulkanbauten bildet (sog. „Stratovulkane“), die sich abwechselnd aus Lavaströmen und Lockermassen (Tuffe etc.) aufbauen (z. B. Aetna oder Vesuv), bilden sich bei dünnflüssigen Förderprodukten Schildvulkane, wie sie z. B. im Pazifik auftreten (Hawaii).

Petrographisch ähnelt der Weitendorfer Basalt zwar stark den Vulkangesteinen von Hawaii, weswegen er auch als „Hawaiit“ bezeichnet wird, doch war er nur kurze Zeit aktiv (mit einigen wenigen Ausbrüchen), so dass sich eine nur sehr kleine Basaltdecke bilden konnte.

Die Folgen des Geschehens um den Weitendorfer Vulkan, das immerhin schon fast 15 Millionen Jahre zurückliegt, sind heute noch wirksam und von wirtschaftlicher Bedeutung. Basalt als extrem hartes und verwitterungsresistentes Gestein ist von alters her ein begehrter mineralischer Rohstoff. So verwundert es kaum, dass das Vorkommen von Weitendorf schon in der Jungsteinzeit genutzt wurde. Ein geregelter Steinbruchbetrieb auf Weitendorfer Basalt erfolgte ab dem 16. Jahrhundert, da dieses Material als Bau- und Pflasterstein seit damals in Bauwerken sowohl der näheren Umgebung als auch in Graz Verwendung fand.


[EN]

The basalt quarry Weitendorf - a look at the Styrian basin 15 million years ago


About 18 million years ago, began the space of today's South Styria (the so-called "Styrian Basin") in the course of tectonic processes decrease. These events were directly related to the collision of European and African tectonic plate, and thus to the formation of the Alps.

Before about 16 million years ago came with a progressive lowering of the sea from the southeast in wide areas from the Styrian basin and reached its greatest extent at the time approached to the edge of the Koralm. This was the southern Styria to become a marine bay rim (the so-called "Paratethys"), which was related to the southwest across the Mediterranean to the Atlantic, at times, but also had a marine connection to the Indian Ocean. Fossil remains of tropical organisms, their closest relatives occur today in the Red Sea to prove the existence of these marine compounds.

From the geographical conditions of the Styrian Basin within 15 to 16 million years ago may be due to the deposition came here to rock and the embedded fossils draw a fairly accurate picture, we see the Styrian basin than it was open to the southeast bay with active volcanism all Gleichenberg in space, but also in the area around the village wide. From Graz to the south covered the Wildon book Kogel and Sausal to Remschnigg a chain of shoals and islands (the so-called "Middle Styrian threshold"), to a shallow bay in front in the area of ??Far Village, Great St. Florian, Pöls and Preding and it was shielded from the open sea. While were in the clear water around coral reefs and the Middle Styrian threshold by reef-like structures formed kalkabscheidende red algae, the west adjoining lagoon like bay habitat was primarily for clams and snails, but also for crabs and sea urchins.


The quarry to Weitendorf

A unique insight into this habitat allows the basalt quarry in the village wide. Been through lowering the quarry floor in the fifties of the 20th First century approached the basalt overlying dark gray marl below, in a situation such as a meter thick concentrated a rich fauna with mussels, snails and other marine organisms delivered. In total, over 100 species have been identified. Strikingly, the prevalence is one Turmschneckenart ("Turritella badensis"), which in up to 50 centimeters thick horizon almost rock forming occurs.


Rock-forming tower snails ("Turritella badensis")

The fossil fauna of Weitendorf allows a biostratigraphic classification of the Middle Miocene, which corresponds to an age of about 16 to 14 million years ago. In addition to species that were in Austria and other fossils points known in the same age rocks occur in Weitendorf two worm species that live in Austria so far only from here and another fund point near (Wetzel village in western Styria) were detected. These are firstly, the long beak snail, on the other hand the conch. Furthermore, the evidence of Riesenzahnhais could be provided on the basis of a dental discovery.


Long-beaked snail, found in the quarry

If you look in today's oceans for comparable types of fossil clams and snails by far the village is striking that their closest relatives today mainly inhabit the area of ??the Red Sea and Indian Ocean. The connections to the Mediterranean Sea and Atlantic Ocean are much weaker. This close relationship between the far villages fauna today in the Red Sea and Indian Ocean living species leads to the following conclusions: First, we can for that sea, which covered from 16-15 million years ago, large parts of southern Styria, assume climatic conditions similar to those of present-day Red strongly resembled the sea, and secondly, it must have been a direct sea link between these two areas.

In the space of the church today Weitendorf the idyll of this tropical shallow sea in front of about 15 to 14.5 million years has been severely disrupted. By earthquakes on the ocean floor and hot springs emerging announced glutflüssiges magma penetrated along cracks and fissures in the earth's interior and covered the sea floor around the village on a wide area of ??about ten square kilometers. Funding gaps are likely to have found a hand in the area of ??the quarry from wide village, on the other hand, in the context of the community Wundschuh.

The chemical composition of the arrived at Weitendorf to the surface magma is causally responsible for the external shape of the far villages volcano: While tough, gas-rich magma cone-shaped volcanic structures formed (so-called "stratovolcanoes"), which turns out lava and fragmentary materials (tuffs, etc.) building (eg Etna or Vesuvius), are formed on thin liquids products, shield volcanoes, such as occur for example in the Pacific (Hawaii).

Petrographically similar to the wide villages basalt Although much of the volcanic rocks from Hawaii, which is why he is referred to as "Hawaiit", but he was only briefly active (with a few outbreaks), so that could constitute a very small basalt cover.

The consequences of the action to the Far villages volcano, which still lags almost 15 million years, is still effective and economically important. Basalt is an extremely tough and weather-resistant rock from ancient times a popular mineral raw materials. So it is hardly surprising that the incidence of long village was used as early as the Neolithic period. A regulated quarry operation on wide basalt villages took place from 16 Century, since this material as building and paving stone buildings since then in both the neighborhood and in Graz was used.
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